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Buchrezension: Gregor Hauser MAGISCHE TÖNE - Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit

Rezension eines Opernlesebuchs

Als norddeutscher Klassik-Produzent bin ich als Rezensent eines Buches über
Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit eher nicht geeignet. Da ich aber um
meine Meinung gebeten wurde, habe ich es gelesen. Anfangs distanziert, dann mit wachsendem Interesse. Am Ende hatte Autor Gregor Hauser, Lehrer zu Salzburg, meinen Nerv als Musikliebhaber getroffen.

Was Hauser mit seinem Buch erreichen möchte, erläutert er im „Prolog“ als
Werkeinführung nicht. In einer „Ouvertüre“ als Geleitwort schreibt der Wiener Tenor Heinz Zednik zwar, dass dieses Sängerbuch ein sehr, sehr notwendiges sei, nicht aber, warum. Am Ende hat man das Warum auch so begriffen. Klarer Punkt für Prolog und Ouvertüre dieses wie ein Opernbesuch gedachten und geordneten Lesebuchs. Perspektiven und Erwartungshaltungen der Leser*innen sind natürlich unterschiedlich.

Sie werden bedient. Österreicher*innen wird eine liebevoll
recherchierte Würdigung von Opernlieblingen eines abgeschlossenen Zeitalters
geboten, zuzüglich Anekdotenwürze. Außerhalb Österreichs, wo auch die Namen dort gebürtiger Tenorstars kaum mehr bekannt sind, kommt der übergeordnete Wert dieses Buches besonders zum Tragen. Es lässt einen wahren Kosmos der Ereignisse und Erinnerungen so lebendig werden, dass die einzelnen Begebenheiten in summa zur Metapher für das zeitlos Gültige der Opernkunst als Königin der Künste werden.
Dazu trägt der gleichnamig zum Buchtitel lautende YouTube-Kanal „Magische Töne“ entscheidend bei. Er ist Bestandteil des Buches, denn dort kann man kann die beschriebenen Tenöre hören. Dabei wird man erneut neugierig, und liest manchmal gar doppelt.
Nachvollziehbar begründet Autor und YouTube-Kanal-Betreiber Hauser seine
Sängerauswahl von Stars und Comprimarios, die er ins Buch aufgenommen hat 
und wieso andere eben nicht. Geschickt begegnet er durch  Einwandvorwegnahme dem Kritikpunkt der Willkür, und zeigt dabei auch noch persönliche Bescheidenheit und Empathie. Auch warum das Titelfoto auf dem Buchdeckel den aktuell erfolgreichsten österreichischen Tenorstar Andreas Schager zeigt, wird erläutert.

Der gehört nicht in diese Reihe der Nachkriegstenöre, weil dafür zu jung.
Als einzige Ausnahme im Buch wird Schager auch beschrieben. Seinen großen Namen als Zugpferd hinein in die aktuelle der Opernwelt zu nutzen, ist schon clever gedacht. Nur wenige Male war ich in der Wiener Staatsoper, habe aber etliche der im Buch ausführlich dargestellten Tenöre an der Hamburgischen Staatsoper erlebt, insbesondere Karl Terkal und Hans Beirer. Letzterer prägte meine Liebe zur Oper entscheidend. Noch als Junge durfte ich ihn in einer seiner Paraderollen als Otello erleben, „Othello“ damals geschrieben, denn man sang in Deutsch. Überhaupt war es eine heute schon sehr ferne Zeit, in Teilen jetzt paradiesisch anmutend. Eben diese Zeit lässt das Buch auferstehen: Feste Ensembles sangen in deutscher Sprache, in der Regel vier bis fünf verschiedene Opern an sechs Abenden der Woche.
Natürlich wurde nirgendwo allabendlich Oper auf Weltniveau geboten. Befreundet mit einer langjährigen Kammersängerin, durfte ich über die Jahre hunderte Vorstellungen in Hamburg erleben, deren Comprimarios durchaus auf Wiener Niveau sangen. Regelmäpßig gastierten auch österreichische Sänger*innen in mittleren Partien bei uns.

Spitzensänger wie Hans Beirer, für mich einer der größten Heldentenöre aller Zeiten, waren zu Beginn in Hamburg Ensemblemitglieder, dann lange Jahre dort Gaststars. Heute ist unvorstellbar, was damals an Repertoirefülle in den großen Häusern alltäglich war. Der Wert der Dinge zeigt sich erst im Verlust.

Wir hatten keine Ahnung, was wir hatten. So steht es bei Hauser zwar nicht geschrieben, beim Nachdenken aber ergibt es sich. Dieses Opernlesebuch regt an dazu.


Hans-Rüdiger Schlesinger
www.oper.de Klassik Innovationen, -Team
20.10.2020


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