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MERZHAUSEN bei Freiburg/ Forum Merzhausen: NACHTWACHE – ein Hörportrait der Romantik in Musik und Poesie mit Thomas Hengelbrock, Johanna Wokalek

12.09.2013

Forum Merzhausen: „Nachtwache“. Ein Hörporträt der Romantik in Musik und Poesie.

Von: Thomas Böckenförde

Ode an die Nacht

Zum Abschluss seiner Romantikreise durch den deutsch-österreichischen Festspielsommer, die vom Salzburger Mozarteum zur ottonischen Kaufinger Stiftskirche, über die Wiesbadener Lutherkirche hin zum Wolkenturm in Grafenegg führte, gastiert der Balthasar Neumann Chor wieder in seiner Breisgauer Heimat. Im Forum Merzhausen bei Freiburg gibt es zum letzten Mal live die gereifte Melange romantischer Worte und Lieder zu hören, mit der das Freiburger Vokalensemble und Johanna Wokalek schon bei der CD-Einspielung letztes Jahr Furore machte.

Thomas Hengelbrock, inzwischen Neu-Hamburger und Dirigent des NDR-Sinfonie-Orchesters, hat den Balthasar Neumann Chor Anfang der 90er Jahre aus der Taufe gehoben und über die Jahre zu einem Klangkörper von internationalem Rang geformt. Es gibt nichts, was diesem souverän intonierenden, glasklar artikulierenden, hauchfein nuancierenden Chor bei seiner Interpretation romantischen Liedguts nicht gelingen würde. Elegisch erklingt die Waldesnacht von Brahms, schwungvoll das Jagdlied von Bartholdy, sachte Rheinbergers Abendlied. Mal tönt es ruhig, mal singt es sehnsuchtsvoll, dann schallt es wieder expressiv durch den Saal. Helle und dunkle Klangfarben werden gekonnt gewechselt, Bäche stürzen, Gondeln schweben, Paläste blinken. Und wenn es eines Beweises bedürfte, dass sich in der Romantik Dichtung mit Gesang vermählt, hier wird er erbracht.

Johanna Wokalek, Wahl-Wienerin und Burg-Schauspielerin, aus Freiburg kommend, merkt man am Anfang ein leichtes Lampenfieber beim heimatlichen Rezitations-Debut an. Dies fördert womöglich, neben der Anwesenheit von Publikum, die Ausdruckskraft ihrer Darbietung. Denn die Gedichte werden hier durchweg mit mehr Emphase vorgetragen werden als bei der gelegentlich zu bedächtigen Studio-Aufzeichnung auf der CD. Deutlich wird dies etwa bei Bretanos Ballade, „Zu Bacharach am Rheine“, als Lore Lay den Bischof betört und beim „Nönnchen“ endlich die Schauspielerin hinter der Rezitatorin sichtbar wird. Dem Publikum gefiel es, genauso wie die verschmitzte Pose der Vortragenden bei Heines ironischem Gedicht „Vom Weibe“.

Eine eigens lobende Erwähnung wert ist das von Thomas Hengelbrock zusammen gestellte Programm, bei dem es um die romantische Nacht in all ihren Facetten geht. Zwischen Eichendorffs Mondnacht und Claudius aufgegangenem Mond spannt sich der Reigen. Tages- und Jahreszeiten, werden verflochten, die Nacht gewinnt Kontur als Medium der Erkenntnis wie als Zustand der Ungewissheit. In der Romantik spendet sie mehr Geborgenheit als dass sie Grusel bereitet. Und sollte es einmal zu düster werden, dann geben nicht nur der Mond, sondern auch die „Töne Licht“.

Die Zuhörenden danken mit lang anhaltendem, starkem Beifall. Die Zugabe zeigt mit Rilkes Dunesier Elegien „Das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang“, dass es auch anders kommen kann. Nicht so jedoch an diesem Abend, der in einer lauen Sommernacht im Zusammensein von Auditorium und Aufführenden ausklingt.

Quelle: www.der-neue-merker.eu


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