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WIEN / Metropol: ROSEN IN TIROL

02.10.2013

WIEN / Metropol: ROSEN IN TIROL von Peter Hofbauer Premiere: 2. Oktober 2013, besucht wurde die Generalprobe

Von: Renate Wagner

Wenn man sich „Rosen in Tirol“ schenkt, kann der „Vogelhändler“  nicht weit sein. Aber das Metropol und sein Chef Peter Hofbauer sind für höchst eigenwillige Adaptionen klassischer Stoffe bekannt. „Sehr frei nach Carl Zeller“ gibt sich folglich das neue Metropol-Musical, aber ein paar der unsterblichen Melodien sind, aufgepeppt von Johnny Bertl & Manfred Schweng, unüberhörbar aus dem Original gerettet worden und haben ihren operettigen Schwung in köstlichen Swing umgesetzt.

Man muss bereit sein, an dergleichen respektlosem Tun Spaß zu finden, aber wenn man’s kann, unterhält man sich königlich. Hofbauer hat bekannt wild gewaltet und aus der einstigen Lieblichkeit eine durchaus witzige Tiroler-Tourismus-Satire gemacht. Da heißt der Wirt vom Nobelhotel Kaspar Hofer und gibt sich auch, mit Bart und Hut fürs Foto, ganz wie der berühmte Namensvetter. Gejodelt wird allerdings nicht viel, und die Berge spielen auch eine untergeordnete Rolle – die Society-Gesellschaft ist alljährlich los, und da braucht es einen Fürsten, eine Klatschtante, Fernsehteams und immer neue Wellness- und Unterhaltungsideen. Die Krönung zur „Rosenkönigin“ ist dann der Höhepunkt. Ehe- und Beziehungskrisen sowie Liebeleien, kurz, das übliche Quid pro Quo zwischen Herrschaft und Personal – und kräftige Masseurhände würzen das Geschehen ungemein.

Ja, der Adam ist natürlich kein Vogelhändler mehr, sondern „der lustige Masseur“, und die Christl „von der Post“ hat ein gleichnamiges altes Familienhotel, das sie ungeachtet von dessen unzeitgemäßer Altvatrigkeit revitalisieren will. Um das zu finanzieren, arbeitet sie beim Nobelwirten… Caroline Vasicek sieht zwar ein bisschen verhärmt drein (die Christl hat ja auch Probleme, nicht nur mit ihrem Hotel, sondern auch mit dem Adam, der der Fürstin zu nahe kommt), ist aber eine Musicalsängerin von großem persönlichen Zauber, den sie hier voll einsetzt, ganz abgesehen von ihren ausgezeichneten Gesang- und Tanzeskünsten. Boris Pfeifer ist die ruppige Lederhosen-Version eines Adam, mit funktionierendem urigem Charme. Als Hofer-Wirt bringt Stephan Paryla-Raky jede Menge Präsenz ein.

Als Nobelgäste kommt das adelige Ehepaar Wertheimstein ins Spiel: Alfred Pfeifer näselt einen wienerischen, sexuell unersättlichen älteren Fürsten mit Selbstironie, aber nicht ohne Würde, und so blond, nobel und Nase in die Luft wie Caroline Frank stellt man sich eine vom Gatten unterforderte und entsprechend sauertöpfische Fürstin vor. Mit Tania Golden hat sie eine in jeder Hinsicht (von Figur bis Humor) prächtig-wuchtige Begleiterin.

Besonders witzig ist die wie punktgenau erscheinende Parodie einer Andrea Bundy durch Susanna Hirschler als Society-Brocken, und an Claudia Rohnefeld  und Patrick Lammer als Fernsehmoderatorin und Kameramann amüsiert auch, dass sie so schlumpfig klein und er so überdimensional groß ist. Judith von Orelli darf spielen, was sie ist, nämlich eine Schweizerin, und nicht zuletzt daran sieht man, wie punktgenau Peter Hofbauer auf sein wirklich exzellentes Ensemble hingearbeitet hat.

Die Damen ergeben, egal, welche Rolle sie spielen, auch immer wieder eine Girl-Gruppe, die nach den Anweisungen von Choreographin Sabine Bartosch manch hinreißendes Tänzchen im Dirndl hinlegt (Ausstattung: Claudia Vallant / Sabine Ebner).

Unter dem flotten Titel „die fidelen Kitzdorfer“ agiert eine laute, aber hoch kompetente Band unter der Leitung des auch Gitarre spielenden Johnny Bertl, und im Endeffekt ist es die Leistung von Regisseur Andy Hallwaxx, der alle gelungenen Zutaten dann auch so zusammengekocht hat, dass ein geradezu vorzügliches Tiroler Gröstel daraus geworden ist.

Quelle: www.der-neue-merker.eu

 

 


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