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AUGSBURG: INTOLLERANZA 1960 von Luigi Nono. Kurzbericht von der 1. Premiere

27.09.2013

“Intolleranza 1960″ von Luigi Nono am Theater Augsburg – Kurzbericht von der 1. Premiere am 27.09.2013

Von: Werner P. Seiferth

Luigi Nonos 1961 in Venedig uraufgeführte “Azione scenica in due tempi” war seinerzeit sehr umstritten und ist ein Ausnahmewerk des Repertoires geblieben. Es auf den Spielplan eines Stadttheaters zu setzen, ist zumindest sehr mutig, denn die Anforderungen an Solisten, besonders aber an Chor und Orchester sind enorm. Das Theater Augsburg, immer wieder durch besonders ambitionierte Spielplan-Projekte auf dem Gebiet der Oper des 20. Jahrhunderts positiv aufgefallen, nahm sich nun dieses Ausnahmewerkes zur Spielzeit-Eröffnung an und bettete es ein in eine Fülle von Begleitveranstaltungen zum Thema, die gestrige 1. Premiere war gewissermaßen der Auftakt zu einer Serie von Veranstaltungen, u. a. einer Podiumsdiskussion, Vorträgen und Filmvorführungen, Attraktionen an verschiedenen Plätzen außerhalb des Theaters. Gewaltige Aktivitäten und bewunderswerte Kraftanstrengungen, wie sie gewissermaßen nur zu Beginn einer Spielzeit geleistet werden können.

Das Werk wird in seiner ursprünglichen Gestalt belassen, der Bezug zu unserer Zeit gewissermaßen durch die Fülle der Rahmenprogramme hergestellt – und das ist gut so. Man kann erleben, wie Nono 1960 (!) Probleme aufgreift und anpackt, die deshalb berührern, weil sie heute – 2013 ! – akuteller denn je und im Einzelfall verschärfter sind. Nun könnte man zu der Schlußfolgerung kommen “nichts hat sich geändert, keiner hat etwas gelernt, die Welt ist immer schlimmer geworden” – sicher, das mag so sein. Und gerade deshalb muß man aber erkennen, daß sich endlich etwas ändern muß – insofern ist die Aufführung nicht nur aktuell, sondern zwingt zu mehr, als nur zum Nachdenken.

Was das Theater Augsburg hier leistet, kann nur in höchsten Lobestönen beschrieben werden. Nach der 2. Premiere, die am 29. 9. stattfindet, wird detaillierter zu beschreiben sein, was an Fülle der Eindrücke sich auf den Zuschauer ergießt: höchste musikalische Ausdruckskraft, beste Leistungen des hervorragenden Chores des Theaters Augsburg (Einstudierung: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek) und der bewundernswerten Augsburger Philharmoniker, differenzierte Solisten-Leistungen, allem voran Sally du Randt als Gefährtin, eine fulminante Inszenierung, die das Haus optimal nutzt und in der Klarheit und Überschaubarkeit der Vorgänge geradezu Maßstäbe setzt (Ludger Engels und Ric Schachtebeck) und ein nervenstarker, souveräner GMD Dirk Kaftan, der das Ganze im besten Sinne des Wortes “dirigiert”, mit einer Sicherheit und Selbstverständlichkeit, die Staunen macht. Dies alles stürmt auf einen ein, wie ein Naturereignis, die Aufführung macht über weite Strecken vergessen, daß man gegen die Musik Nonos durchaus auch Vorbehalte haben kann, mit einem Wort: der Abend schlägt einen in Bann. Und das ist ja schon erst einmal nicht wenig.

Nur noch siebenmal in Augsburg: am 29. 9.; 1., 4., 5., 6., 10. und 12. Oktober. Hinfahren!

Quelle: www.der-neue-merker.eu


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